Ein•klang

Sonntag 13.11.2016 18:00 - Köln
Einführung 17:30 mit Peter Tonger

Zeitgenossen aus 2 Epochen

 

Johann Ladislaus Dussek Grand Sonata in F Dur op.65
Wolfgang Amadeus Mozart Duo für Violine & Bratsche KV 423
Frederick Delius Sonate für Violoncello & Klavier
Leoš Janáček Sonate für Violine & Klavier
Ernest Chausson Quartett für Klavier, Violine, Viola & Violoncello op.30

 

 

Peter Rainer Violine
Matthias Buchholz Viola
Oren Shevlin Violoncello
Paul Rivinius Klavier

 

Wie oft sagt man doch bei überraschenden Begegnungen: Ja, ja, die Welt ist klein. Für andere, die sich eigentlich kennen müssten, ist die Welt so groß, dass sie sich nie begegneten. Dafür stehen die Beispiele dieses Programms. Der Böhme Dussek war einer der erfolgreichsten Pianisten seiner Zeit, der ca. 100 Jahre vor Liszt konzertierend durch ganz Europa reiste, mit seiner Kunst großen Eindruck auf die Damenwelt ausübte, sich schließlich in Paris niederließ, aber vor der Revolution fliehen musste, worauf er 10 Jahre seines Lebens in London verbrachte, wo ein Großteil seiner Kammermusik entstand; dort entwickelte er auch ein freundschaftliches Verhältnis zu den ebenfalls in London weilenden Clementi und Haydn. Letzterer war der einzige Wiener Meister, zu dem er je Kontakt hatte, während sein jüngerer Bruder František immerhin mit Mozart befreundet war. Mozarts Hauptinstrument war das Klavier. Für seine Konzertreisen schrieb er seine Klavierkonzerte. Er spielte aber auch vorzüglich die Geige oder die Bratsche. Diese kamen zum Zuge, wenn seine Mitwirkung bei kammermusikalischen Programmen, z.B. bei der Uraufführung eines Streichquartetts, gefragt war. So waren ihm die technischen Anforderungen der beiden Instrumente durchaus vertraut, als er von seinem alten Freund Michael Haydn, dem Bruder Joseph Haydns, um Hilfe gebeten wurde. Der hatte seinem Dienstherrn in Salzburg 6 Duos für Violine und Viola abzuliefern und kam zeitlich nicht zurecht. So sprang Mozart mit der Komposition zweier Duos ein, wofür Haydn ihm ewig dankbar war. Frederic Delius entstammt einer deutsch-englischen Kaufmannsfamilie. Nur mühsam konnte er seinen Vater überreden, ihn Musik studieren zu lassen. Mit seiner späteren Frau ließ er sich 1897 in Grez-sur-Loing im Arrondissement Fontainebleau (Ile de France) nieder, wo er bis zu seinem Tod inmitten eines wundervollen Gartens lebte. Nur während des Ersten Weltkriegs musste er sein geliebtes Heim verlassen und floh mit seiner Familie vor den heranrückenden deutschen Truppen nach London, wo sie während des Krieges blieben. Hier schrieb Delius 1916 seine Cellosonate. Von drei Violinsonaten Janáčeks ist nur eine erhalten geblieben. Sie entstand ungefähr 1913, wurde aber während des Ersten Weltkriegs umgearbeitet. Nach dem Krieg lernte er seine zweite Frau kennen, die große Liebe seines Lebens, die ihm zu einer ganz neuen Inspirationsquelle wurde, die ihm zu weiterer Schaffenskraft verhalf, welche neben großartigen Alterswerken auch die Neufassung älterer Werke einschloss. So erhielt die Violinsonate ihre heute gültige Form. Im Salon Ernest Chaussons fanden regelmäßig Konzerte statt, in denen er sowohl eigene wie auch Werke seiner Freunde aufführen ließ. Zu diesen gehörte wahrlich die Elite seiner Zeit, wie Franck, Duparc, Messager, Debussy, Dukas, Albéniz, Widor und Ravel; dazu die Musiker Eugène Ysaye, Jacques Thibaut und Alfred Cortot. In diesem Kreis wunderbarer Menschen wird sein Klavierquartett eine herzliche Aufnahme gefunden haben.

Text Peter Tonger