Ein•klang

Sonntag 02.10.2016 18:00 - Köln
Einführung 17:30 mit Fabian Oliver Bell

Spiegel und Zitat - 100 Jahre Dutilleux

 

Bohuslav Martinů Promenades für Flöte, Geige & Cembalo
Alfred Schnittke Suite im alten Stil für Violine & Cembalo
Henri Dutilleux Les Citations für Oboe, Kontrabass, Schlagzeug & Cembalo
Carl Philip Emanuel Bach Trio Sonate für Flöte, Oboe & BC in d-Moll
Maurice Ohana Miroir de Célestine für Schlagzeug & Cembalo
Antonio Vivaldi Quartett für Flöte, Oboe & Violine BC RV 779

 

 

Slava Chestiglazov Violine
Stanislau Anishchanka Kontrabass
Alja Velkaverh Flöte
Tom Owen Oboe
Luca Quintavalle Cembalo
Johannes Wippermann Schlagzeug

 

Einer der bedeutendsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts ist Henri Dutilleux. Seines Geburtstages vor 100 Jahren gedenken wir mit dem heutigen Programm. Durch die Invasion der deutschen Armee in Frankreich 1940 sah sich die in Paris lebende Familie des böhmischen Komponisten Bohuslav Martinů in Gefahr und musste sich nach einem Schiff umsehen, das sie in die Vereinigten Staaten bringen sollte. Trotz der in endloser Erwartung verbrachten Tage ist es bewundernswert und für Martinů bezeichnend, dass er auch in dieser Zeit nicht aufhörte zu komponieren. Er beendete hier einige seiner bekanntesten Werke, so die optimistische Sinfonietta giocosa, die Sonata da camera, die Promenades for flute, violin and harpsichord und einiges mehr.

Der in Lettland geborene deutsch-russische Alfred Schnittke erhielt seinen ersten Musikunterricht in Wien, wo sein Vater Redakteur an der deutschen Zeitung der sowjetischen Besatzungsmacht wurde. Ab 1948 lebte er bei oder in Moskau, wo seine ersten Kompositionen entstanden. Zunächst versuchte er sich in Aleatorik und auf der 12-Ton-Musik basierenden Reihentechnik, bevor er eine ganz persönliche polystilistische Kompositionsweise entwickelte, die sich auf verschiedenste ältere Meister bezieht. Ganz in dieser Entwicklung ist die Suite im alten Stil aus dem Jahre 1972 zu sehen.

In seinen Citations (Zitaten) bezieht sich Henri Dutilleux auf das von Benjamin Britten begründete Festival in Aldeburgh des Jahres 1985 und im zweiten Satz auf den im Zweiten Weltkrieg 29-jährig gefallenen Komponisten Jehan Alain, der seinerseits in einer seiner Kompositionen ein Chanson des französischen Renaissancekomponisten Clement Janequin zitiert.

1738 wurde Carl Philipp Emanuel Bach, zweitältester Sohn Johann Sebastians und einer der bedeutendsten ‘Clavieristen’ seiner Zeit, an den Hof des Kronprinzen Friedrich von Preußen berufen. Für die Hofmusik des Prinzen komponierte Bach diverse Sonaten und Trio Sonaten, wobei er sich auch das ein oder andere Jugendwerk vornahm und es neu bearbeitete. Zu letzteren gehört die Trio Sonate d-Moll.

„Die Tatsache, dass Maurice Ohana einer der größten Komponisten dieses Jahrhunderts war, scheint eines der bestgehüteten Geheimnisse unseres Musiklebens zu sein“, schrieb einmal der belgische Musikwissenschaftler Harry Halbreich. Ohanas 6-teiliger Zyklus Miroir de Celestine für Cembalo und 32-teiliges Schlagzeug entstand in den Jahren 1989-1990. Mit 25 Jahren wurde Vivaldi in Venedig zum Priester geweiht und gleichzeitig Violinlehrer am Ospedale della pietà, einem Waisenhaus für Mädchen, zusätzlich auch Lehrer für Violoncello und Viola d’amore. Für das Ensemble des Waisenhauses, das einen außerordentlichen Ruf genoss, schrieb Vivaldi den größten Teil seiner Violinkonzerte und Sonaten, darunter auch die in C-Dur RV 779.

Text Peter Tonger